Kammerjäger, ein Beruf mit Zukunft

Fotos: Wikipedia

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Bei unserem Besuch in der Kläranlage in Rodheim war eines der Themen, dass immer wieder Lebensmittel über Spülbecken und Toilette in die Kanalisation entsorgt werden – und damit allerlei Lebewesen gefüttert werden, die eigentlich niemand in seiner Nähe wissen möchte.
Also bitte: unbrauchbar gewordene Nahrungsmittel gehören in die grüne Tonne. Auch im Kompost locken sie eher unliebsame Gesellen an, die sich als Kulturverfolger lieber bei Ihnen am und im Haus bedienen, als in der Natur zu jagen.

In der Schule für Schädlingsbekämpfung in Gelsenkirchen lernt man neben der praktischen Arbeit viel über Tiere und Pflanzen, wie sie leben, denken und arbeiten, über Gifte und Fallen. Es geht aber auch um die Folgen des Klimawandels, da immer mehr neue Schädlinge nach Deutschland vordringen. Die Ausbildung ist ein kleines Biologie- und Chemiestudium und gliedert sich in Gesundheits- und Vorratsschutz, Holz- und Bautenschutz und Pflanzenschutz. Denn seit 2004 ist Schädlingsbekämpfer ein 3jähriger Ausbildungsberuf. Der Deutsche Schädlingsbekämpfer-Verband e.V. (DSV) ist die Berufsvereinigung der professionellen Schädlingsbekämpfer.

Meist geht es um Ratten, Mäuse, Wespen, Ameisen, Motten, Flöhe, Milben oder auch mal um Schaben.
Im praktischen Alltag sind im Durchschnitt 7-8 Einsätze an verschiedenen Orten zu bewältigen – immer mit dem nötigen Respekt vor der Herausforderung, wie auch vor den Lebewesen. Für die Arbeit sollte man einen guten Geruchssinn und scharfe Augen mitbringen. Man sollte aber auch schwindelfrei sein, da z.B. bei der Taubenvergrämung Netze um Türme gespannt werden müssten, damit kein Vogel mehr eindringen kann.
Zu den Aufgaben der Kammerjäger gehört auch die regelmäßige Wartung in der Gastronomie, die also nicht automatisch ein Hinweis auf unhygienische Verhältnisse in einem Lokal sind.

Mit Hilfe bestimmter Wirkstoffe – wie InsektizidenRodentizidenAkarizidenLarviziden, im Volksmund als Gift bezeichnet – gehen die Schädlingsbekämpfer gegen Ungeziefer vor. Des Weiteren werden Schädlinge auch mit natürlichen Feinden bekämpft, denn es gilt, mit so wenig Wirkstoffen wie möglich und so gezielt wie möglich zu arbeiten. Daneben versuchen die Kammerjäger, die Befallsursachen herauszu-finden, und führen vorbeugende Maßnahmen durch.

Sollten Sie einmal einen Kammerjäger (90 % sind Männer) benötigen, schauen sie beim DSV nach. Dort finden sie seriöse Schädlingsbekämpfer – im Gegensatz zu schwarzen Schafen, die zum Teil bei der Suche mit google ihre Anzeigen zuoberst platziert haben. Dort finden Sie auch ein Schädlingsverzeichnis und weitere Informationen zum Thema.

Alles klar – in der Kläranlage Biebertal

Am 22. September besuchten vier Leute unseres Teams die Biebertaler Kläranlage.

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Außerdem nahm Frau Ortmann an der Besichtigung Teil. Die Führung wurde durchgeführt vom Klärmeister Herrn Weicker und dem Technischen Leiter der Gemeindewerke Biebertal, Herrn Markus Müller.

Wir hatten das Gefühl, herzlich willkommen zu sein. Beide Mitarbeiter erzählen sehr gerne von ihrer Arbeit.

Ein toller, interessanter Arbeitsplatz!
Man braucht technisches Verständnis, Chemie- und Physikkentnnissse;  und es ist immer was los. Viele gesetzliche Regelungen, das Einbringen neuer technischer Verfahren oder auch der Kontakt zu Bürgern, die ängstlich anrufen, wenn die Rohre verstopft sind oder mal „Land unter“ im Keller herrscht, verlangen Anpassungsfähigkeit, Reaktionsvermögen und Geschick im Umgang mit den Mitmenschen.

Besonders leicht fällt ihnen die Arbeit, wenn sie Gruppen aus den Biebertaler Kitas zu Besuch haben. Die Kinder verfolgen sehr aufmerksam und ohne Vorurteile, was ihnen gezeigt und erzählt wird. Die Rückmeldung erfolgt oft über die Eltern, die mitteilen, dass ihre Kinder ihnen genau erklärt haben, was sie nicht mehr tun dürfen, z.B. keine Essensreste in die Toilette oder Fritierfett in den Ausguss schütten.

Dieser Arbeitsplatz stinkt uns nicht, sagen Klärmeister Weicker und Technischer Leiter Müller.  

Und das trotz der Rufbereitschaft nachts, die von nur drei Hauptamtlichen zu leisten ist. Und das trotz vieler unappetitlicher Hinterlassenschaften, die auf dem Siebbandrechen aus dem Abwasser gefischt werden. Während unseres Besuchs waren nur normale Abfälle zu sehen. Im Anfang von Corona, als das Toilettenpapier knapp war, gab es dagegen viel mehr Papier – Küchenrollen, Feuchttücher u.ä. – die sich schwerer zersetzen als Toilettenpapier.  Das Gebiss, das dagegen versehentlich in den Abfluss fiel, hat sich der Eigentümer einige Tage später in der Kläranlage wieder abgeholt.

Durch den Besuch wurde uns klar, wie wichtig die Entsorgung des gebrauchten Wassers ist, aber auch wie wichtig die Versorgung der Gemeinde mit sauberem Wasser ist.
Wir haben deshalb beschlossen, das Thema „Wasser“ intensiv zu bearbeiten und es unter „Infrastruktur“ innerhalb des Bilderbogens dauerhaft zu veröffentlichen.
Wir würden uns freuen, wenn die Verantwortlichen in der Gemeinde uns dabei unterstützen.

Foto und Video: Winfried Senger
Text: Eveline Renell

Wasserversorgung in Biebertal

Foto: Friedhelm Scholz

Der menschliche Körper besteht zu 60 bis 75 % aus Wasser. Wasser ist daher eines unserer wertvollsten Güter. Wir nutzen es zum Trinken, Kochen, Putzen, für unsere tägliche Hygiene, zur Bewässerung und Herstellung unserer Lebensmittel wie auch bei Freizeitvergnügungen. Allein in diesem (Corona-)Jahr sind in den Gärten allerlei Swimmingpools aufgetaucht und befüllt worden.
Dennoch liegt der durchschnittliche Verbrauch einer Person bei uns in Hessen 120 l Wasser / Tag.

Im Vergleich: Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt in Dubai bei 500 l/Tag, in den USA bei 300 l/Tag, in Äthiopien bei ca. 20 l/Tag und in anderen Regionen Afrikas sogar bei nur 5 – 10 l/Tag.
Laut UNICF haben aktuell 2,2 Milliarden Menschen keinen regelmäßigen Zugang zu Wasser und ca. 785.000 verfügen nicht einmal über eine Grundversorgung mit Trinkwasser.

Auch bei uns gibt es Sorgen, seit die Bilanz vom Entnahme und Zufuhr in den letzten heißen Sommern in ein Missverhältnis geraten ist. Mit einem Niederschlag von 48 mm/m² und einem Minus von 62 % war der Juli 2020 in Hessen der siebttrockenste seit 1881.
Noch aber sind die Vorräte im Boden ausreichend. Dennoch ist es – und wird es zuehmend sinnvoll sein, Wasser zu sparen, Regenwasser zu sammeln und zu nutzen, wo es geht und Trinkwasser sparsam zu gebrauchen.

Biebertal verfügt über 2 Brunnen, die im Bereich der Obermühle liegen. Dort wird Grundwasser aus einer Tiefe von 25 m und 80 m erschlossen. Da das Wasser dort durch eine hochdurchlässigen Massenkalk fließt, hat unser Trinkwasser einen so hohen Kalkanteil, der sich dann in den verstopften Leitungen von Kaffee- oder Waschmaschine und in den Rohren der Heizung z.B. wiederfindet.
Das betrifft fünf der sechs Ortsteile – etwa 9400 Haushalte –, die ihr Wasser aus den eigenen Quellen bekommen. Über ca. 90 km Rohrleitungen gelangt das Trinkwasser direkt in die Häuser oder in 2 Hochbehälter mit 500 bis 1.000 Kubikmeter Fassungsvermögen.
Lediglich Krumbach bezieht sein Wasser aus dem Verbundsystem Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke, die ihr Wasser aus 23 Förderbrunnen im Gebiet von Stadtallendorf und Kirchhain fördern.

Gesteuert wird die Trinkwasserversorgung über Fernüberwachungssysteme. Ein zentraler Rechner erfasst und verarbeitet unter anderem die Zu- und Abläufe sowie den Füllstand der Hochbehälter digital.
Unübliche Wasserentnahmen wie die Befüllung eines Swimmingpools oder einer Zisterne können dann schon mal einen Alarm und die unnötige Suche nach Rohrbrüchen auslösen.

Vier Mitarbeiter der Gemeindewerke Biebertal arbeiten für die Wasserversorgung. Neben Unterhaltungsarbeiten am Trinkwasserversorgungs- und Abwasser-Leitungsnetz, kümmern sie sich um Förder- und Verteilanlagen, um die Spülung des Rohrnetzes, den Austausch von privaten Wasserzählern, die Reduzierung von Rohrnetzverlusten sowie um die Suche und die Reparatur von Rohrbrüchen … und nicht zuletzt, um die Verlegung von Hausanschlüssen.

Quelle: Gießener Anzeiger, 28.8.2020, „Noch im grünen Bereich“ von Ines Jachmann
und 12. 9.2020 „RP stellt Wasserbilanz vor“.

Klärschlammvererdung – was ist das eigentlich?

Schilf im Frühling, Foto wikipedia

Bei der Jahreshauptversammlung der Freien Wähler Biebertal Mitte August wurde das Thema Klärschlammvererdung angerissen. Laut Inge Mohr, der neuen Vorsitzenden und Nachfolgerin von Ingo Pfaff, gäbe es in der FWG-Fraktion noch viel Klärungsbedarf über den beabsichtigten Bau im Feld Richtung Kinzenbach.

Die Klärschlammvererdung bietet sich als eine von mehreren Lösungen an, die festen Stoffe zu entsorgen. Wie geschieht das?

Für die Vererdung braucht man Schilfbeete. Diese „Beete“, meist sind es größere Felder, werden als Becken angelegt und mit Folie ausgekleidet. Daher kann kein Wasser in die Umgebung abfließen. Die Becken sind von einem ca. 1m hohen Wall umgeben. Die Wasser zuführenden, gelochten Rohre werden kammartig ausgelegt. Dazwischen wird das Schilfrohr gepflanzt. Das Schilf entzieht dem vorgeklärten Abwasser das Wasser. Die festen Bestandteile, die im Schilf zurückbleiben, werden von Mikroorganismen weiter abgebaut. Dabei verändern sie sich in ihren Eigenschaften so stark, dass eine saubere Erde mit hohem Humusanteil zurückbleibt. Diese Erde könnte als Pflanzsubstrat im Garten- und Landschaftsbau und bei Deponiekultivierungen eingesetzt werden. Damit würde sie in den Stoffkreislauf zurückgeführt und nicht einfach verbrannt – wie oft üblich. Man könnte diese Erde auch zur Kompostanlage bringen oder für die Biogasgewinnung nutzen. *)

Nach einigen Jahren wird das Schilfbeet oberflächlich abgeräumt und der Inhalt einer weiteren Verwertung zugeführt. Die im Boden verbleibenden Wurzeln treiben aus und sind wieder für etliche Jahre zur Vererdung bereit.

Großes Becken der Biebertaler Kläranlage, Foto Eveline Renell

Die Klärschlammvererdung ist der letzte Schritt. Vorher wird unser Abwasser in der dorfeigenen Kläranlage geklärt. Dabei fallen viele feste Stoffe an, und das sind nicht nur Kot und Toilettenpapier. Überlegen Sie selber, was Sie alles in die Toilette oder in die Küchenspüle entsorgen – und damit die Kläranlage stark beanspruchen. Zurzeit sind das nach Aussage von Herrn Christopher Weicker, dem Leiter der Biebertaler Kläranlage, 650t pro Jahr angetrocknete (75% Wassergehalt) feste Bestandteile. Sie werden per Transporter nach Frankenthal/Pfalz zur BASF gebracht, wo man sie mit Hochofen-Schlacke mischt und verbrennt. Aus der Asche wird Phosphat zurückgewonnen, das in die Düngemittelprodktion von BASF geht. Für die Lieferung nach Frankenthal bezahlt die Gemeinde über 100000 € pro Jahr.
Vor der Einleitung in die Schilfbeete sollten Mikroschadstoffe entfernt werden. Das sind z.B.   Rückstände von Arzneimitteln, Pflanzenschutzmitteln oder Pflegeprodukten. Das geschieht durch Aktivkohle und mittels Ozonanlagen.

Die Vorteile der Vererdungsanlage:
– Geringer Energieaufwand
– Natürliche Stoffumsetzung
– Fläche sieht ähnlich aus wie ein Getreideacker
– Kein Chemieeinsatz erforderlich
– Humusähnliches Endprodukt
– Kein Gestank

Nachteile der Vererdungsanlage:

Flächenbedarf ca. 1² pro Einwohner, das wäre für Biebertal etwa 1ha (das Gemeindegebiet ist knapp 440ha groß). Wegen des Flächenbedarfs wird diese Art der Entsorgung für Gemeinden zwischen 7000 und maximal 30.000 Einwohnern empfohlen.

Konzentration von Schwermetallen. Auf Grund dessen wird beim Abräumen weiterhin die Verbrennung favorisiert. Die anfallende Menge ist aber um Vielfaches kleiner als bisher.

*) „Früher wurden die Klärschlämme doch einfach auf die Felder ausgebracht, da sie eine hohe Düngewirkung haben. Warum heute nicht mehr?“

Dazu schreibt das Bundesumweltamt: Da der Klärschlamm neben wertvollen Bestandteilen jedoch auch eine unüberschaubare Anzahl umwelt- und gesundheitsgefährdender Schadstoffe enthält, dessen Risiken nicht abzuschätzen sind, soll die direkte landwirtschaftliche Klärschlammausbringung laut aktuellem Koalitionsvertrag (vom 27. November 2013) in Zukunft weitestgehend eingestellt werden.

Neben Nährstoffen enthalten Kompost und vor allem Klärschlämme auch Anteile an anorganischen Schadstoffen: toxische Schwermetalle wie zum Beispiel Blei, Quecksilber, Cadmium, Kupfer sowie organische Schad- und Fremdstoffe wie Dioxine, Polychlorierte Biphenyle (PCB), Perfluorierte Tenside (PFT), Arzneimittelrückstände, Krankheitserreger, aber auch Nanopartikel, Mikroplastik und vieles mehr. 

https://www.umweltbundesamt.de/themen/boden-landwirtschaft/umweltbelastungen-der-landwirtschaft/kompost-klaerschlamm#einfuhrung

Wir sind Ende September zu Besuch in der Biebertaler Kläranlage. Das bedeutet, dass diesem Artikel weitere folgen werden: „Die im Dunkeln sieht man nicht…..“